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Grundsätzliches
Die kopernikanische Wende im Tonsystem
Eine weitere kopernikanische Wende vollzieht sich in dieser Zeit an unserem Tonsystem. Die Orgel ermöglichte schon die artifizielle Erstellung jedweder Klangfarbe (große Instrumente in den USA), blieb aber dem traditionellen Tonsystem weitgehend treu. Die neuen Klangtechnologien ermöglichen nun aus der Physik von unten mit den gegebenen Elementen jeden Klang und jedes Tonsystem (z.B. seien hier nur die Mikro-Intervalle erwähnt) zu erstellen. Darunter kann auch das traditionelle Zwölftonsystem sein. Dieses wird dann z.B. beim neuen V-Synth der Firma Roland mit 100% für die Halbtöne eingegeben. Einstellbar sind jedoch 100 bis 10%. Auch die invertierten Werte von -10 bis -100% sind verfügbar, das Tonsystem läuft dann von oben nach unten oder gegenläufig. Nicht die Götter schenken uns diese Systeme, sondern die Physik, die Natur des substantiellen Untergrundes. Vielleicht sind dies die neuen Götter, die uns nun, anders als bisher, beschenken.
Computer und Musik
.... Der mit Computerinstrumenten arbeitende Musiker wird zunächst zum eigenen Instrumentenbauer und damit zum Klangfarbenschöpfer. Instrumente dieser Art erlauben auch eine real-time, d. h. direkte Eingabe und Speicherung musikalischer Daten, den Ausdruck am Bildschirm und die Veränderung dieser Datenabläufe. Selbstverständlich können auch traditionell notierte Musikstücke in den Computer eingegeben und gespeichert werden und stehen dann gewünschten Manipulationen und jeder, durch keinerlei mechanische Unzulänglichkeit getrübten Wiedergabe, offen. Es tritt im Ganzen eine Befreiung des Musikers von mechanisch-körperlichen Begrenztheiten und eine Überwindung und Erweiterung der normierten Instrumentalklangfarben ein.
So lässt sich durch eine konsequent zu Ende gedachte Arbeit in der Mikrowelt des Sounds eine neue unverbrauchte Klangwelt erzeugen, die ein fast unbegrenztes Sounduniversum darstellt und die der Vor- und Alleinherrschaft des Tones ein Ende bereiten könnte. Die „Tonkunst“ würde dann ein historisches Phänomen sein, so wie es heute die Einstimmigkeit hinsichtlich der harmonischen Mehrstimmigkeit ist. Der Computer, der Mikroprozessor, ist dann das Werkzeug, das Organon einer neuen Soundwelt, so wie die klassische Orgel ein Instrument schon weitreichender Klangsynthese war....
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